Kirche im Hof öffnet wieder ihre Tore

Nach 16 Monaten Bauzeit wird am 30. September die Kirche im Hof in der Friedrich-Ebert-Straße 102 in Kassel wieder eingeweiht. Damit geht eine umfangreiche Sanierung und Erweiterung des Gemeindezentrums zu Ende. Neben dem Festakt am 30. September, an dem auch Oberbürgermeister Bertram Hilgen teilnehmen wird, sind die Eröffnung einer Kunstausstellung mit Künstlern aus dem Stadtteil am 29.9., der Tag der Offenen Tür am 1. 10. und ein Gospelkonzert am 30.9. besondere Gelegenheiten, den Neubau zu besichtigen.

Die 160 Mitglieder und Freunde zählende Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde hat über eine Million Euro investiert. Neben einer Grundsanierung von Gruppenräumen und Kirche entstand ein ganz neues Stockwerk über dem bisherigen Gottesdienstsaal. Erschlossen wird es durch eine hohe Treppe und einen Aufzug, der auch die Gruppenräume und die behindertengerechten Sanitäranlagen erschließt.
Der neue Saal im Obergeschoss wird durch große, teils raumhohe Fenster geprägt, die ihm einen besonderen Charme verleihen. Er eignet sich sowohl für Tagungen wie für Feste. Künftig werden hier zum Beispiel Syrer und Iraker Deutsch lernen. Aber auch kulturelle Veranstaltungen aus dem Quartier werden hier stattfinden.
„Wir wollen mit dem größeren und moderneren Gebäude optimale Bedingungen für Besucher und die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter“, erklärt Hans-Hermann Schneider, der Gemeindeleiter. „Dabei wollten wir drei Ziele erreichen: Wir brauchen mehr Raum, der einfacher zu nutzen ist und der Behinderten ungehinderte Teilnahme ermöglicht. Bisher mussten die Ehrenamtlichen zu viel Mühe aufwenden, um mit dem begrenzten Platzangebot auszukommen“.
Nicht zuletzt war der Gemeinde wichtig, mitten in der Stadt zu bleiben. Pastor Frank Fornaçon: „Unsere Gemeinde will unter den Menschen sein, gerade unter denen, die im Vorderen Westen zu Hause sind. Wir haben intensiv diskutiert zu verkaufen und auf der grünen Wiese zu bauen, aber wir wollten mitten drin sein. Die Friedrich-Ebert-Straße mit ihren drei Straßenbahnlinien ist dabei von überall her gut zu erreichen.“
Planung und Bauleitung lagen in den Händen von Architekt Holger Möller (BAS), Kassel, dessen Büro glücklicherweise in der Nachbarschaft liegt. Die Arbeiten in der Innenhoflage an einem Gebäude, das über 140 Jahre alt ist, erforderten oft ungewöhnliche Maßnahmen. So musste ein neues Fundament unter die bestehende Kirche gesetzt werden. Wochenlange Handarbeit war dafür nötig. Alle Baumaterialien und Maschinen mussten durch eine enge Hofdurchfahrt bugsiert werden.
Deutliche Kostensteigerungen gab es im Lauf der Bauarbeiten nicht nur wegen teurer Gründungsarbeiten sondern auch beim Brandschutz und den besonderen Anforderungen an das Zentrum, das nicht nur Gottesdiensten dienen soll, sondern als Versammlungsstätte auch kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen offen steht.
„Dabei war für uns eine große Kostendisziplin selbstverständlich,“ merkt Diplom-Ingenieur Michael Rempe an, der als stellvertretender Gemeindeleiter den Bauherrn vertrat. Schließlich sei das Gebäude zu über 80% durch Spenden finanziert. Evangelisch-Freikirchliche Gemeinden entscheiden vor Ort über ihre Ausgaben, müssen aber auch die Mittel für Bau- und Personalkosten selbst aufbringen. Fast 100% des Haushalts werden durch freiwillige Mitgliedsbeiträge gedeckt, da die Gemeinde keine Kirchensteuer erhebt.
Fördermittel kamen von der Stadt Kassel und der Aktion Mensch. Die Stadt bewilligte 200 000 Euro aus dem Programm Aktive Kernbereiche und half so, die Mehrkosten für die hohen Brandschutzauflagen zu tragen. Die Aktion Mensch stellt über 30 000 Euro zur Verfügung, um behindertengerechte Baumaßnahmen zu fördern.
„Ich bin sehr froh, dass viele auch praktisch angepackt haben“, erläutert Pastor Frank Fornaçon. „Wir haben einige handwerklich versierte Rentner, die großartig Hand anlegten. Und wir hatten über ein Duzend syrische und irakische Flüchtlinge, die in der Gemeinde Deutsch lernen. Am Bau konnten sie zeigen, dass sie ein Teil unserer Gesellschaft werden möchten. Intensiv haben sie ehrenamtlich mitgearbeitet, Trockenwände gebaut, Wände verputzt und vieles gestrichen. Hier sind sie jetzt zu Hause. Sie sprechen schon jetzt von `ihrer´Kirche.“
Noch stehen einige Arbeiten aus, die erst im kommenden Frühjahr realisiert werden können, wie die endgültige Gestaltung des Hofes.
Mit der Einweihung geht das „Exil“ der Gemeinde der Kirche im Hof zu Ende. Während der Bauzeit konnte die Gemeinde die Gastfreundschaft der Adventgemeinde Kassel genießen, deren Gemeindezentrum an der Schönfelder Straße sonntags für die Gottesdienste zur Verfügung stand. Die Adventisten feiern ihren Gottesdienst ähnlich der jüdischen Gemeinde am Samstag, dem biblischen Sabbat.
Alle anderen Veranstaltungen mussten im Café der Kirche im Hof stattfinden, dem einzigen Raum, der kaum von den Baumaßnahmen betroffen war. Zu den üblichen Veranstaltungen der Gemeinde kamen seit Oktober noch die Angebote für Flüchtlinge (Deutschkurse, arabische Gottesdienste und das Café International) hinzu, die wöchentlich 60 bis 100 Besucher zählen.
Wiedereröffnet wird mit der Einweihung auch das Café der Kirche im Hof, ein immer Donnerstag geöffneter Treffpunkt für Menschen aus dem Quartier. Ein buntes Programm an Lesungen und kleinen Konzerten erwartet die Besucher im Herbst.
Einer der ältesten Gäste bei der Eröffnung wird Pastor Bernd Kuhn (84) sein, der in den 70er Jahren die Gemeindegründung begleitet hat und heute mit seiner Frau Regina den Ruhestand in Kassel verlebt. Damals hatte die Gemeinde das ehemalige Gasthaus Lesch zum Gemeindezentrum umgebaut. Wenn er regelmäßig die Baustelle besichtigt hatte, meinte er immer wieder, „Ich freue mich!“

27. Sep 2016 |

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