Ende des Förderprogramms

Nach zehn Jahren läuft die Förderung für den „Aktiven
Kernbereich Friedrich-Ebert-Straße“ aus und das Stadtbüro hat zum Jahresende seine Türen geschlossen.

Städtebauförderprogramm „Aktiver Kernbereich Friedrich-Ebert-Straße“

Goethe- und Germaniastraße zur Promenade umgestaltet, die
Friedrich-Ebert-Straße zum „Boulevard der Herzen“ gemacht, den
Grünzug Motzberg mit dem Platz der 11 Frauen zu einem
attraktiven innerstädtischen Freiraum mit vielfältigen
Aufenthaltsmöglichkeiten für alle Generationen qualifiziert: Diese
umfänglichen, jeweils über mehrere Jahre laufenden Projekte sind
die sichtbarsten Ergebnisse aus zehn Jahren intensiver Arbeit für
das am Ständeplatz beginnende und hinter dem Bebelplatz
endende Fördergebiet im Rahmen des Städtebauförderprogramms „Aktive Kernbereiche in Hessen“. War die Friedrich-Ebert-Straße mit ihren Leerständen und ihren strukturellen Defiziten, die auch auf die Wiederaufbauplanungen zur autogerechten Stadt der 1950er-Jahre zurückgingen, um die Jahrtausendwende noch der „Absteiger des Jahres“, ist der Abschnitt zwischen Ständeplatz und Annastraße heute kaum wiederzuerkennen. Das städtische Leben pulsiert in dieser Straße wie nie zuvor – und das nahezu rund um die Uhr.
„Plötzlich wollen alle hier sein“: Das war der Slogan, mit dem das Förderprogramm Menschen und Unternehmen für diesen attraktiven innerstädtischen Standort einnehmen wollte. seinerzeit noch nicht klar, ob das gelingen könnte, lässt sich heute feststellen, dass das Quartier einen riesigen Entwicklungssprung vollzogen hat und nun für die Zukunft sehr gut aufgestellt ist. Mit der Neugestaltung der Goethe- und Germaniastraße sowie der
Friedrich-Ebert-Straße und dem Grünzug Motzberg ist es gelungen, den Bürgerinnen und Bürgern „wieder ein Stück Stadt zurückzugeben“, wie Planerinnen und Planer es gern formulieren.

Die neuen Straßenquerschnitte und die vielen kleinen Plätze, die allen, die sich in der Stadt bewegen möglichst gleichberechtigt Räume bereitstellen, haben die Aufenthaltsqualität in diesem Stadtraum deutlich erhöht. Es macht wieder Freude, sich zu Fuß oder mit dem mit dem Rad durch diesen Bereich Kassels zu bewegen und auch die Autofahrer kommen durch die intelligente
Neuorganisation der Straßen nicht zu kurz.

Gelebte Partizipation im Quartier
All das konnte nur möglich werden, weil alle Beteiligten – und das waren sehr viele Menschen im Quartier – die Großprojekte im Rahmen des Förderprogramms immer auch als ihre eigenen begriffen haben.
Bereits vor der Aufnahme in das Förderprogramm fanden, angeregt von den Ortsbeiräten Mitte und Vorderer Westen, Runde Tische statt, an denen über eine wünschenswerte Zukunft für das Quartier debattiert wurde.
Diese gelebte Kultur der Beteiligung setzte sich auch fort, nachdem aus Wiesbaden die Bewilligung für die Teilnahme am Förderprogramm kam.
Mit dem Stadtbüro etablierte sich ein Ort, der in herausragender Weise als Schnittstelle zwischen dem Quartier und der städtischen Verwaltung agierte und über den vieles möglich wurde, was zuvor kaum denkbar schien.
Die Mitarbeiter dieses Netzwerkknotenpunktes vermittelten an vielen Stellen. Meist im Hintergrund und ohne viel Aufheben darum zu machen, zogen sie die „Strippen“ und wurden so zu Ermöglichern von Ideen und Projekten, die sich aus dem Quartier heraus entwickelten.
Jüngstes Beispiel ist der Feierabendmarkt auf dem Platz der 11 Frauen, der mittlerweile zweimal stattfand und der ab dem kommenden Jahr unter Regie von Bürgerinnen und Bürgern seine Verstetigung erfahren soll.
„Transparenz“ ist ein weiteres, den Erfolg ausmachendes Stichwort für das Quartier Friedrich-Ebert-Straße. Beispielhaft ist es gelungen, Bürgerinnen und Bürger, Gewerbetreibende und Immobilienbesitzer zu motivieren, sich für ihr Quartier einzusetzen und sie umfänglich über die aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden zu halten. Das von Bürgerinnen und Bürgern mitgestaltete Quartiersmagazin „mittendrin“, das mit seinen gedruckten Ausgaben alle Haushalte im Fördergebiet erreichte, in vielen Geschäften auslag und mit seiner Ende November erschienenen letzten Ausgabe noch ausliegt, trug mit dazu, sich als Teil dieses Entwicklungsprozesses fühlen zu können.
Die Online-Ausgabe der mittendrin steht bereits jetzt im Netz und wird ab 2020 – betrieben von Bürgerinnen und Bürgern – das Medium für alle Interessierten sein, die die Entwicklungen im Quartier weiterhin aktiv begleiten möchten.

Integriertes Handlungskonzept als tragfähige Basis

Über die großen und deutlich sichtbaren Projekte hinaus, gab es über die gesamte Förderprogrammlaufzeit eine Vielzahl kleinerer Maßnahmen, die für den Erfolg ebenso wichtig waren: das Fassadenprogramm, das Eigentümer motivierte, ihre Häuser herauszuputzen, die Einrichtung einer Büchertauschbörse in der Querallee, inhaltlich und gestalterisch aufwändig gestaltete Informationstafeln zu wichtigen Orten im Quartier, eine Gedenkstele für nahezu vergessene Kasseler Literaten, die Skulptur der New Yorker Künstlerin Linda Cunnigham, die alsbald im Grünzug Motzberg stehen wird. Auch wenn nicht jede der über 40 Maßnahmen, die seinerzeit im Integrierten Handlungskonzept formuliert wurden, von Erfolg gekrönt war, weil sich die Rahmenbedingungen veränderten oder eine ins Auge gefasste Durchführung sich im Konkreten als unrealistisch erwies, haben sich die dort formulierten Leitlinien für die zehnjährige Arbeit im Fördergebiet als absolut tragfähig erwiesen und weisen mit ihrer Nachhaltigkeit in Sachen Quartiersentwicklung weit über die Grenzen Kassels hinaus. Den Städtebaupreis für die neugestaltete Goethestraße beschreibt Deutsche Akademie für Städtebau und Landesplanung in ihrer Begründung als „Beispiel gebend für die vielerorts anstehende städtebauliche Reparatur autogerechter Hauptverkehrsstraßen“ und die Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landschaftsplanung würdigte die Friedrich-Ebert-Straße mit dem Deutschen Verkehrsplanungspreis für „die beispielhafte Verkehrslösung zur Stärkung und Förderung einer nachhaltigen Mobilität auf Hauptstraßen“.

17. Dez 2019 |

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Grünzug Motzberg

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